Vier Jungs als echte Trendsetter

Männer als Erzieher - Berufliche Chancen sind dank des Ausbaus der Kinderbetreuung gut!

Wer wundert sich noch, wenn in Lastwagen oder Bussen Frauen hinterm Steuer sitzen oder eine Tischlerin eine Regalwand anfertigt? Niemand. Frauen in Männerberufen gehören längst zum beruflichen Alltag. Doch gilt das auch umgekehrt? Ein Blick in die Kindergärten zeigt, dass das zumindest für das Berufsbild des Erziehers/der Erzieherin nicht zutrifft, denn Männer bilden hier die absolute Ausnahme.

Dabei ist sich die pädagogische Fachwelt einig, dass die Betreuung der Kleinsten auch durch Männer sinnvoll ist. Stephan Kaltenstein, zuständiger Koordinator für die entsprechende Ausbildung an den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Bersenbrück, sieht das ähnlich. Seine Devise: "Neue Männer braucht das Land." Auch die beruflichen Chancen stehen gut, da der Ausbau der Kinderbetreuung politisch beschlossene Sache ist. Darum werden nach einer Prognose der Bundesregierung bis 2013 bis zu 40 000 Erzieherinnen und Erzieher zusätzlich benötigt. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder will gar mit einem Umschulungsprogramm mehr Männer als Erzieher fürdie Kindertagesstätten gewinnen.

Darauf sind Christopher Reddehase, Timo Eilers, Florian Eden und Thorsten Sandbrink nicht angewiesen. Die vier Schüler haben sich bereits vor langer Zeit für die Ausbildung zum Erzieher an den BBS Bersenbrück entschieden, auch wenn es insgesamt vier Jahre dauert, bis das Ziel erreicht ist.

Denn zunächst mussten sie die zweijährige Berufsfachschule für Sozialassistenz absolvieren, bevor sie dann die wiederum zweijährige Ausbildung zum "staatlich geprüften Erzieher" antreten konnten. Die vier sind die einzigen männlichen Absolventen und damit echte Trendsetter.

Der hohe Praxisanteil dieses Ausbildungsganges ermöglicht es ihnen immer wieder, vor Ort in den regionalen Kindertagesstätten zu überprüfen, ob der Beruf auch den eigenen Vorstellungen entspricht. Und das Quartett ist sich sicher: "Wir haben die richtige Wahl getroffen." Diesen Satz wollen sie auch auf den Schulstandort bezogen wissen, nicht zuletzt darum, weil die Bersenbrücker Berufsschule interessante Zusatzangebote vorhält. Zum Beispiel können die Schüler an dem Wahlkurs "Theater" teilnehmen, der ihnen Handwerkszeug für eigene kulturelle Projekte mit Kindern bietet und auch der eigenen Persönlichkeitsentwicklung dient.

Oder sie entscheiden sich für das Projekt "Balu Du". Ein Jahr lang sind sie dann sozial benachteiligten Kindern für einige Stunden in der Woche ein verlässlicher Begleiter. Durch Gespräche, Spiel und Sport soll eine Beziehung zu den Kindern aufgebaut werden, um diese gezielt zu fördern.

Die vier Trendsetter - aber auch ihre weiblichen Mitstreiter - stehen am Tag der offenen Tür (Samstag, 13. November 2010) Besuchern gerne Rede und Antwort.

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