Zweiter Heavy-Metal-Gottesdienst in Nortrup

„Der Tod kommt im 6/8 Takt“

Nortrup. Eine zweite Heavy Metal Messe füllte die Nortruper Dorotheenkirche am Freitagabend. Der Tod ging durch die Reihen, Jesus aber auch. Die Szene-Anhänger freuten sich, die Oma von nebenan aber auch. Lautstarke Musik von Solution Cycle wurde unter das Volk gebracht, das Wort Gottes aber auch. Kirche ganz anders. Berufsschulpfarrer Uwe Brand hat da mittlerweile Routine.

Angefangen hatte Brand 2013 mit einer Gothic-Messe, nach dem ersten Heavy Metal Gottesdienst 2014 folgte nun die zweite Ausgabe. „Die Stimmung ist super, wir haben hier soviel vorbereitet, dass wir keine Zeit mehr für eine Generalprobe hatten, das macht die Sache nur noch spannender“, sagt der Kirchenmann der Berufsbildenden Schulen Bersenbrück vor der Messe. „Zwischenzeitlich hatte ich auch einen Märchengottesdienst mit türkischer Musik“, blickt der 54-Jährige auf eine Aktion zurück, die weniger in der Öffentlichkeit stand. „Heavy Metal ist nicht abgegriffen, das Thema ist ja so umfangreich“, begründet Brand die Wiederholung.

Auch schon Märchengottesdienst

„Solution Cycle gibt es seit 2012 und wir bieten eine wilde Mischung aus Heavy Metal, mit einem Crossover verbinden wir verschiedene Arten“, sagt Rune Schohaus. „Dieses Mal wird es hart, und es wird schnell, Metalmesse 2.0, wir nehmen die Bude hier heute auseinander“, kündigt der Frontmann an. „Wir spielen acht Titel, manche sind regulär, viele explizit für heute, es geht um Beziehungen und Wertschätzung, Liebe und Abhängigkeit, ziemlich melancholisch“, erklärt der 23-Jährige.

Tod gegen Pfarrer

Dann geht es los. Der Altarraum leuchtet mal grün, mal orange, wechselt von hellblau zu dunkelrot. Die vier Bramscher Jungs von Solution Cycle fetzen los, gehen zunächst im Nebel unter, Blitze setzen ein. Die drei Kamerateams von NDR, RTL und Sat1 bemühen sich, diese Stimmung einzufangen. Der Tod entzündet seinen Mond, Brand kontert mit der Osterkerze.

„Der Tod kommt im 6/8-Takt“, kündigt Brand das Skelett an, das seine Opfer mit sich zieht, die dann als Leichen im Gang und vor dem Altarraum liegen. Brand tritt an einzelne heran, verrät die Todesursache, Mobbing etwa. Dann kommt mit Jesus das Licht, aus den schwarzen Opfern werden weiße Auferstandene. Und auch Klaus Schlüwe vom Kirchenvorstand, bekannt von der Popband Mattocks, kommt zu Wort. Abschließend dankt Brand der Landeskirche, der Schulleitung, seinen Schülern, der Vorbereitungsgruppe und vielen weiteren.

Weise Großmutter

„Das ist einfach eine tolle Veranstaltung, deshalb steht der Kirchenvorstand auch geschlossen dahinter, wir freuen uns, dass so viele Leute kommen“, blickt Schlüwe zurück. „Es ist eigentlich für mich nicht so interessant“, sagt Linda Schohaus. „Mein Geschmack ist eher Volksmusik und Operetten“, erklärt die 83-jährige Nortruperin. „Er wird schon wissen machen, was er macht“, lautet das weise Fazit der Oma von Sänger Rune, die jedoch ihrem Enkel und seinem Genre sehr aufgeschlossen gegenübertritt.

„Hip-Hop und Reggae kann ich mir nicht vorstellen“, antwortet Brand auf die Frage, was uns als Nächstes erwartet. „Im Bereich Gothic gibt es so viele tolle Outfits“, scheint der Schulpfarrer da schon etwas im Sinn zu haben.

 

(Mit freundlicher Genehmigung: Bersenbrücker Kreisblatt, 9.11.2015)
Artikel und Fotos von Björn Thienenkamp


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