Untersuchungsstation für Flüchtlinge in Hesepe im Bau

„Brücke“ schiebt Projekt an - BBS Bersenbrück hilft

Bramsche. In der Regie der Freien Berufsbildungsstätte „Die Brücke“ entstehen zwei Holzhäuser, die für verschiedene Zwecke in der Flüchtlings-Erstaufnahme in Hesepe genutzt werden. Beide sind sogar schon finanziert. Sie sind Beispiele dafür, was Netzwerke und findige Macher zustande bringen.

Voraussichtlich in drei Wochen kann das Team von Amtsarzt Dr. Gerhard Bojara in der Flüchtlingsaufnahme Hesepe von den Containern in eine feste Untersuchungsstation umziehen. Der Holzbau entsteht derzeit direkt neben dem jetzigen Provisorium. Bojara freut sich darüber ebenso sehr wie über die „wirklich grandiose“ Initiative mit mehreren Beteiligten, die das Projekt ermöglichte.

„Brücke“ geht voran

Am Anfang der Geschichte steht Michael Kaufmann. Den Geschäftsführer der „Brücke“ beschäftigte die Frage, wie seine Einrichtung in der überfüllten Landesaufnahmebehörde (LAB) in Hesepe helfen könnte. Einfache Holzhäuser in Modulbauweise könnten eine Lösung sein. Um nicht mit einer theoretischen Idee bei den Verantwortlichen aufzuschlagen, suchte Kaufmann nach der Möglichkeit, ein fertiges Projekt, am besten gleich voll finanziert, anzubieten. An der Stelle kommt Michael Prior ins Spiel, der Geschäftsführer der Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung.

Stiftung steigt ein

Prior ist von der Idee sofort begeistert. „Die akute Notlage erfordert promptes Handeln und kreative Lösungen“, findet der Geschäftsführer, der die Berichte gelesen hat über die Notlage in der überfüllten Aufnahmebehörde und die provisorischen Bedingungen, unter denen Amtsarzt Bojara seine Untersuchungen durchführen muss. Die Idee, hier zu helfen „finden wir total großartig“, sagt Prior. Direkt nach seinem Gespräch mit Kaufmann ruft er Gisela Bohnenkamp an. Am Ende bewilligt die Stiftung 30.000 Euro, nachdem auch Landrat Michael Lübbersmann zugesagt hat, das Projekt mitzutragen.

BBS Bersenbrück hilft

Mit so viel Rückenwind übersteht das Projekt sogar den langen Marsch durch die Instanzen. In dieser Woche sind die Bagger angerückt, um das Fundament zu setzen. Der Betriebshof der Stadt Bramsche hilft, ebenso angehende Zimmerleute von den Berufsbildenden Schulen Bersenbrück. „Für die ist es doch auch viel interessanter, etwas Handfestes zu bauen als Sachen, die in der Mittagspause wieder abgerissen werden“, betont Kaufmann einen wichtigen pädagogischen Aspekt. „Ich bin mir auch sicher, dass die Jugendlichen nach ihren Erfahrungen die Flüchtlingsfrage anders sehen“, ergänzt er.

„Gefühl der Erleichterung“

„Da haben viele Räder ineinander gegriffen. Wir sind froh, dass wir ein Teil dieses Ganzen sind“, kommentiert Michael Prior die Entwicklung. Gerhard Bojara genügte am Freitag ein Blick aus dem Fenster, um sich auf die neue Untersuchungsstation zu freuen: „Wir hatten in den letzten Wochen Glück mit dem Wetter, jetzt ist es wieder nass und kalt. Für die Flüchtlinge ist das sehr unangenehm, wenn sich für eine Untersuchung im zugigen Container ausziehen müssen“. Mit der neuen Station würden die Bedingungen „nicht optimal aber noch einmal deutlich besser“, sagt der Amtsarzt, der ein „Gefühl der Erleichterung“ spürte, als die Bagger anrückten.

Zweites Projekt kommt

Ein zweites Projekt ist ebenfalls schon fest, obwohl noch nicht klar ist, wo dieses Haus gebaut wird: Der humanistische Verband wird auf dem Gelände der LAB Hesepe eine Begegnungsstätte für Flüchtlinge und Menschen vor Ort schaffen. Auch dieses Holzhaus baut die „Brücke“. Ob irgendwann auch Flüchtlinge selbst in den Genuss einer solchen Unterkunft kommen, ist noch ungewiss. Aktuell wird ein Zelt für 600 Menschen eingerichtet.

(Mit freundlicher Genehmigung: Bersenbrücker Kreisblatt, 09.10.2015)
Artikel von Heiner Beinke,  Foto: Michael Kaufmann
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