Tischler-Azubis der BBS Bersenbrück retten alte Fenster

Projekt des Monumentendienstes

Bersenbrück. Ist das noch zu kitten? Für Auszubildende des Tischlereihandwerks im dritten Lehrjahr der BBS Bersenbrück stellte sich diese Frage im Projekt mit dem Monumentendienst der Stiftung Kulturschatz Bauernhof mit Stammsitz in Ahlhorn in einem ganz ursprünglichen Kontext.

Unter Anleitung von Martin Schiebe, Techniker für Baudenkmalpflege und Mitarbeiter beim Monumentendienst, und des Restaurators Lars Böhner lernten die angehende Fachkräfte, alte Fenster zu ent- und anschließend neu zu verglasen, eben zu kitten. Dem liegt die jahrhundertealte Tradition zugrunde, mit der anfangs öligen Masse Kitt zum Beispiel zerbrochenes Porzellan wieder zusammenzufügen oder eben auch Glasscheiben in entsprechende Fensterrahmen einzusetzen. Gerade bei der Sanierung denkmalgeschützter Gebäude kann und sollte der Austausch historisch wertvoller Fenster vermieden werden, da diese sich aufgrund der hervorragenden Holzqualitiät meistens reparieren lassen.  

Genau das trifft das Anliegen des Monumentendienstes, der historische Bauwerke bewahren und damit den Bestand an kulturhistorischen Bauwerken in der Region sichern will. Der Einsatz von Handwerkern am Baudenkmal erfordert aber spezielle Kenntnisse, auch im Umgang mit historischen Materialien, seien es Steine, Ziegel oder Holzelemente wie alte Fenster mit entsprechend altem Glasmaterial. Bente Juhl, Projektleiterin des Monumentendienstes, präzisiert das Anliegen: „Wir möchten gezielt die Gruppe der Berufsschüler ansprechen, die sich für den Bereich des Handwerks entschieden hat. Der frühzeitige Einstieg in die gezielte Vermittlung von historischen Handwerkstechniken kann einen wichtigen Impuls setzen und das Verständnis für die Erhaltung von Baudenkmalen positiv beeinflussen.“

Dazu reist sie mit ihren beiden Kollegen durch das gesamte Weser-Ems Gebiet, um den Auszubildenden ihr Projekt „Vergangenheit hat Zukunft – Perspektive historisches Handwerk“ näherzubringen, das vom Land Niedersachsen mit Blick auf das Europäische Kulturjahr „European Cultural Heritage Year“ mit 10.000 Euro gefördert wird.

Die Bersenbrücker Berufsschüler jedenfalls waren mit großem Interesse und Eifer bei der Sache und wurden darin von Josef Hemme, Obermeister der Tischlerinnung Bersenbrück, bestärkt. Seine Sicht der Dinge: „Gerade in unserer Wegwerfgesellschaft ist es wichtig, dass alte bauliche Schätze der Nachwelt erhalten bleiben.“  

Und Christian Sperber, Baukoordinator der BBS, macht klar, dass es sich bei dem Workshop um keine Eintagsfliege handelt. Sein Versprechen: „Weitere Veranstaltungen mit Malern, Maurern und Zimmerern werden folgen.“

Von der Qualität der Arbeit überzeugen sich Martin Schiebe, Techniker für Baudenkmalpflege (von links), der Obermeister der Tischlerinnung Bersenbrück, Josef Hemme und BBS-Schulleiter Thomas Kohne. Foto: Wilhelm Brüggemann

(Mit freundlicher Genehmigung: Bersenbrücker Kreisblatt, 1.4.2019)
Onlineversion der NOZ

Zurück