Thomas Kohne über Berufsorientierung an der BBS Bersenbrück

Warum Digitalisierung wichtig ist

Bersenbrück. Etwas später als ursprünglich geplant beginnen am Montag, 1. April 2019, an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Bersenbrück die Berufsorientierungstage. Grund für die Verzögerung war ein Feuer, das im Werkstattbereich ausgebrochen war. Im Interview erklärt Kohne, welche Rolle die Digitalisierung bei der Berufsorientierung spielt.

Herr Kohne, warum eine Woche der beruflichen Bildung?

In der Zeit vom 1. bis 7. April findet in Niedersachsen die „Woche der beruflichen Bildung“ statt. Die Idee kommt von der Landesregierung, die damit die Anerkennung der dualen und der vollschulischen beruflichen Ausbildung zum Ausdruck bringen will. Zudem soll das mediale Interesse für die berufliche Bildung geweckt werden. Vor Ort haben wir diese Anregung aufgenommen und wollen verschiedene Facetten unserer Berufsbildenden Schulen in Bersenbrück in der nächsten Woche darstellen. In einigen Veranstaltungen, die ich in den letzten Monaten für den Kreiselternrat mitgestalten durfte, ist der Informationsbedarf über das berufsbildende Schulwesen bei vielen Eltern deutlich geworden.

Wenn Sie in zwei drei Sätzen die Berufsbildenden Schulen beschreiben sollten – wie würden Sie das tun?

Entdecke Deine Möglichkeiten, dieser Slogan beschreibt sehr gut das Besondere unserer Berufsbildenden Schulen in Bersenbrück. Die formal zu erreichenden Abschlüssen reichen vom Hauptschulabschluss über die Allgemeine Fachhochschulreife bis hin zu einem Abschluss in der Fachschule Sozialpädagogik, der dem Bachelorabschluss gleichgestellt ist. Und diese formalen Abschlüsse kann man bei uns in zwölf Berufsfeldern von A wie Altenpflege bis Z wie Zimmererhandwerk erreichen.

In den BBS kommen keine Klassen mehr zustande für Bäcker und Fleischer. Sterben diese klassischen Berufe aus?

Ob die genannten Klassen bei uns am Standort zustande kommen, ist noch nicht sicher. Dies hängt immer von drei Faktoren ab. Erstens: Gibt es genug Ausbildungsplätze? Zweitens: Gibt es genug Auszubildende? Drittens: Wie sind die Vorgaben des Landes bei den Klassengrößen. Berufsbildung ist immer einem starken Strukturwandel unterworfen, besonders sichtbar wird dies zurzeit bei den beiden genannten Berufen. Wenn Sie überlegen, dass heute jeder Discounter Brötchen anbietet und es nur noch wenige Fleischereien in den Orten gibt, ist der Rückgang der Ausbildungszahlen nicht überraschend. Aber wenn die oben genannten drei Faktoren erfüllt sind, werden wir auch diese Berufe weiter am Standort Bersenbrück ausbilden.

Wie will sich die Schule der Digitalisierung stellen?

Ein Prinzip der dualen Ausbildung ist die enge Verzahnung von betrieblicher Wirklichkeit und berufsschulischem Unterricht. Egal ob in Industrie, Handwerk oder Dienstleistung setzen unsere beruflichen Partner in Fertigung, Kommunikation und Organisation immer häufiger Digitaltechnik ein. Wenn wir als Berufsschule hier die Entwicklungen abwarten, können wir als Ausbildungspartner nicht bestehen. Daher haben wir schon einiges bewegt. Mit Unterstützung des Landkreises ist die ganze Schule mit WLAN ausgestattet, die Server sind auf dem neuesten Stand, die Breitbandanbindung soll noch diesen Monat erfolgen. Zum Thema Sicherheit in der digitalen Welt sind wir die erste niedersächsische Partnerschule im Bundesprojekt „Deutschland Sicher im Netz. Zudem wirken wir als eine von zehn Berufsschulen an dem Projekt „Niedersächsische Bildungscloud“ mit. Diese Anstrengungen waren die Basis, um nun in den ersten Bildungsgängen, zum Beispiel für die Anlagenmechaniker SHK, den Unterricht voll zu digitalisieren.

Wo sehen Sie die Berufsschule und die berufliche Bildung 2030?

Sicher wird die Digitalisierung einen prägenden Einfluss auf Berufsbilder und Unterrichtsprozesse haben. Ob es mehr Vollzeit- oder Teilzeitschulformen gibt, hängt stark von der konjunkturellen Lage im Jahr 2030 ab. Auch kann ich mir vorstellen, dass im Rahmen der Bildungsregion Nordkreis allgemeinbildende und berufsbildende Schulen in berufsorientierenden und berufsqualifizierenden Unterrichtseinheiten noch stärker zusammenarbeiten. Die Gestalt einer Berufsschule hängt von vielen nicht zu beeinflussenden Faktoren ab. Wenn die Landesregierung auch für den ländlichen Raum weiter Ressourcen zur Verfügung stellt, gehe ich davon aus, dass es Berufsbildung in Bersenbrück auch im Jahr 2030 gibt.

Thomas Kohne  -  Archivfoto: Sigrid Schüler

(Mit freundlicher Genehmigung: Bersenbrücker Kreisblatt, 28.3.2019)
Artikel von Martin Schmitz
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