Letzter Stolperstein in Quakenbrück verlegt

In memoriam Hedwig Kohlberg

Quakenbrück. Den letzten Stolperstein in Quakenbrück an der Langen Straße hat nicht der Künstler Gunter Demnig selbst verlegt. Dank einer Ausnahmeregelung übernahmen diese Aufgabe der Maurerlehrling René Olding und sein Berufsschullehrer Sven Rondorf aus Bersenbrück. Doch der Gedanke bleibt derselbe: Ein Stein gegen das Vergessen der Gräueltaten der NS-Zeit und in Erinnerung an die Jüdin Hedwig Kohlberg geb. Simon.

Mehr als 80 Menschen haben sich an diesem Montagnachmittag in der Langen Straße 1 eingefunden. Schüler des Artland Gymnasiums Quakenbrück (AGQ) und Schüler der Bersenbrücker Berufsfachschule Bautechnik waren anwesend. Dann Vertreter der Stadt und Bürger Quakenbrücks.

Eine besondere Ehre kam dabei René Olding und Sven Rondorf zu. Statt des Künstlers Gunter Demnig verlegten sie den Stein mit der Messingplatte vor dem Haus, in dem Hedwig Kohlberg zuletzt wohnte und arbeitete.

Nachdem Tod ihres Mannes Paul Kohlberg übernahm sie im Jahr 1916 als alleinige Inhaberin das Textilgeschäft Gebrüder Simon und Söhne an eben dieser Stelle in Quakenbrück. 1936 gelang ihr die Emigration in die USA, wo sie im Jahr 1968 in Chicago verstarb.

„Als ich 1977 nach Quakenbrück gezogen bin, habe ich hier noch das Textilgeschäft der Firma Deeken vorgefunden, in Tradition von Hedwig Kohlberg“, erinnert sich Bürgermeister Paul Gärtner. Im vergangenen Jahr ist hier ein Wohnkomplex entstanden.

Den Inhalt der Gedenkfeier haben Schüler des AGQ vorbereitet. Anne Meyer sagte: „Wir sind es den Verfolgten schuldig ihrer Namen zu gedenken. Wir können die Vergangenheit nicht ändern, aber wir können aus ihr lernen.“

Insgesamt 40 Stolpersteine liegen jetzt an 14 Stellen in der Stadt. Bei der Verlegung 2011 und 2014 war jeweils Gunter Demnig anwesend. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht jeden Stein eigenhändig einzubetonieren. Für diesen Sonderfall habe es einer Ausnahmeregelung bedurft, erklärt Bürgermeister Gärtner. Der Stein konnte wegen des Baus der Wohnanlage am Anfang der Langen Straße nicht 2014 verlegt werden.

Einen kleinen Kreis Interessierter führt Pete Hohnhorst vom Stadtmarketing im Anschluss an die Feier zu den anderen Steinen, die an die Juden Quakenbrücks erinnern.

Schüler René Olding und Lehrer Sven Rondorf verlegten, dank einer Ausnahmeregelung, die Messingplatte in der Langen Straße. Foto: Katharina Preuth

(Mit freundlicher Genehmigung: Bersenbrücker Kreisblatt, 9.11.2015)
Artikel und Foto von Katharina Preuth


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