Berufsperspektive im Autohaus Fehrmann in Gehrde

Syrer wird Kfz-Mechatroniker

Gehrde. Yazan Abo Ayshah drohte der Kriegsdienst in der syrischen Armee in seinem vom Bürgerkrieg zerstörten Heimatland: Doch er konnte mit seinem jüngeren Bruder fliehen. Eine Zukunftsperspektive hat der 21-Jährige nun in Gehrde gefunden.

Dort macht er seit dem 1. August eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker beim Autohaus Fehrmann. Neben der „Maßarbeit“ des Landkreises Osnabrück, der Agentur für Arbeit und dem Unternehmen hat daran auch sein Vermieter in der Nordkreisgemeinde wesentlichen Anteil.

Yazan Abo Ayshah ist syrisch-palästinensischer Herkunft und lebte mit seinem Bruder, zwei jüngeren Schwestern und den Eltern in Damaskus. Dort besuchte er elf Jahre lang die Schule und machte einen dem Abitur vergleichbaren Schulabschluss.

„Als dann der Einberufungsbefehl kam, war klar, dass mein Bruder und ich das Land verlassen mussten“, erzählt der junge Syrer in überraschend gutem Deutsch. Schließlich lebt er erst seit September 2015 in Deutschland – Sprachkenntnisse hatte er vorher keine. Doch anders als viele andere Flüchtlinge hat er Glück: Sein Asylantrag wird schnell bearbeitet, er startet zügig in einen dreimonatigen Sprachkurs, und sein Vermieter, ein pensionierter Deutschlehrer, sorgt dafür, dass Yazan und sein Bruder sich bald in der neuen Sprache zurechtfinden.

Noch häufig denkt er an die Flucht zurück, die von Syrien über die Türkei und Griechenland zunächst nach Ungarn führte. Das Ziel der jungen Männer war Schweden, wo bereits ein Onkel eine neue Heimat gefunden hatte. Doch in Ungarn wurden die Brüder registriert: „Wären wir anschließend nach Schweden gereist, hätte man uns nach Ungarn zurückgeschickt. In Deutschland durften wir bleiben“, erklärt der 21-Jährige die Planänderung.

Ein Glücksfall

Ob er denn trotzdem zufrieden sei, jetzt in Deutschland zu sein? Yazan Abo Ayshah lächelt etwas schüchtern und nickt: Er freue sich natürlich vor allem über die Chance, hier eine Ausbildung zu machen. Und sein Bruder, der zurzeit eine Berufsfachschule besucht, habe ebenfalls für das kommende Jahr die Zusage für eine Ausbildungsstelle.

Auch für seinen Ausbildungsbetrieb ist der junge Syrer ein Glücksfall: „Wir haben Yazan über ein Praktikum kennengelernt“, erinnert sich Franz-Josef Fehrmann, der das Unternehmen 1982 gegründet hat. In einer Gemeinde wie Gehrde sei man gut vernetzt: So habe ihn der Vermieter der Brüder angesprochen, ob ein Betriebspraktikum möglich sei.

„Wir bilden seit langen Jahren aus, auch um unseren eigenen Fachkräftebedarf zu sichern“, so der Chef des Unternehmens, zu dem neben einer Mitsubishi- und einer Citroën-Vertretung auch eine Lkw- und eine Mehrmarkenwerkstatt mit umfassendem Service gehören. Deshalb habe er gern zugesagt.

Das Praktikum verlief so vielversprechend, dass sich eine sechsmonatige durch die Agentur für Arbeit vermittelte Einstiegsqualifizierung anschloss. Inzwischen wechselte Yazan Abo Ayshah durch die Anerkennung als Flüchtling in den Leistungsbezug der Maßarbeit: Hier unterstützte ihn Vermittlerin Manuela Lehmann beim Start in die Ausbildung. Auch der Führerschein wird von der Maßarbeit gefördert, denn sein internationaler Führerschein aus Syrien ist hierzulande nicht gültig. „Aber immerhin können Flüchtlinge die Theorie auf Arabisch ablegen, denn die umfangreichen Fragen sind sonst sprachlich für viele einfach nicht zu bewältigen“, erläutert Maßarbeit-Bereichsleiter Lars Hellmers.

In seinem Ausbildungsbetrieb fühlt sich Yazan Abo Ayshah sichtlich wohl: Die Arbeit macht dem technikbegeisterten jungen Mann Spaß, und er kommt gut mit den Kollegen zurecht. Doch ebenso wie seinem Bruder fehlt ihm die Familie: Die Eltern sowie die sieben- und elfjährigen Schwestern. „Meine Mutter ist Jordanierin. Sie würde ein Visum bekommen und könnte uns besuchen. Doch in der schwierigen Situation will sie die Mädchen nicht allein lassen“, erklärt Yazan leise. Wie und wann sich die Familie wiedersehen kann, ist völlig offen.

Der Start ins deutsche Berufsleben ist Yazan Abo Ayshah (Zweiter von rechts) geglückt. Mit ihm freuen sich Manuela Lehmann und Lars Hellmers von der Agentur „Maßarbeit“ und Firmenchef Franz-Josef Fehrmann (von links). Foto: Maßarbeit

(Mit freundlicher Genehmigung: Bersenbrücker Kreisblatt, 2.11.2016)
Artikel: pm
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